«Solidarity for Music»

Geigerin Isabelle Briner, eine der betroffenen Musikerinnen, im Gespräch über die aktuelle Lage.

Leere Konzertsäle und Veranstaltungsorte, die bespielt werden möchten. Tausende abgesagte Konzerte, Veranstaltungen und Tourneen. Trotz mittlerweile sehr durchdachter Schutzkonzepte und Alternativprojekte ist das Corona-Jahr nach wie vor ein schwerer Schlag für die freischaffenden Musikerinnen und Musiker weltweit.  

Geblieben ist die Hoffnung, dass im neuen Jahr alles wieder möglich sein wird und das entstandene Vakuum wieder mit Musik gefüllt werden kann. In der Zwischenzeit ist es wichtig, den Kulturbereich als Ganzes (die Musikerinnen und Musiker, die Veranstalter und alle Zulieferer) nicht zu vergessen. Solidarität und Unterstützung sind nach wie vor sehr wichtig. Kultur ist nicht selbstverständlich. Die vielen freischaffenden Künstlerinnen und Künstler haben im Moment keine Möglichkeit, ihren Lebensunterhalt unter normalen Bedingungen zu bestreiten. Es geht dabei nicht nur um finanzielle Unterstützung, sondern auch um Mitgefühl und Verständnis. Um Solidarität eben.

Unter dem Motto «Deine Noten gegen die Not» hat LUCERNE FESTIVAL im Corona-Sommer mit der Solidaritätsaktion #SolidarityForMusic auf die prekäre Situation von freischaffenden Musikerinnen und Musiker in der Schweiz aufmerksam gemacht.

Am 11. September endete unsere Hilfsaktion: Gesammelt wurden über 290’000 Schweizer Franken, die über den Verband SONART freischaffenden Musikerinnen und Musikern aller Genres in der Schweiz zugutekamen, vom Klassik- bis hin zum Jazz-, zum Rock- und zum Pop-Bereich. An der Solidaritätsaktion haben sich insgesamt 1’710 Personen beteiligt und 374 Videos eingereicht: mit ganz persönlichen Interpretationen von Beethovens Ode an die Freude.  So haben wir neben einem beeindruckenden Geldbetrag alle gemeinsam über 760’000 Musiknoten gesammelt – als Zeichen der Solidarität für die Musikszene in der Schweiz.

Zum Video «Deine Noten gegen die Not!»

Die Geigerin Isabelle Briner ist eine der betroffenen Musikerinnen und hat sich bereit erklärt, mit uns über ihre aktuelle Situation zu sprechen:

Wie geht es dir?

Gut soweit, danke! :) Allerdings könnte ich auch Martha Argerichs Antwort nehmen: «Ich weiss es nicht …»

Wie verbringst du momentan deine Zeit?

Ich übe viel, optimiere meine Haltung, gehe raus in die Natur. Ausserdem ganz sporadisch mit einem Projekt, mit Planungen für die Zukunft, mit der Kontaktpflege von Freunden.

Was sind aktuell die Perspektiven einer Orchestermusikerin? Tauchst du dich darüber mit anderen Musikern aus?

Ja, ich habe Austausch mit meinen Kolleginnen und Kollegen. Die meisten spielen ebenso wenig wie ich, sofern sie nicht eine Stelle haben, die auf Kurzarbeitsbasis funktioniert. Leider sind die Aussichten für freischaffende Orchestermusiker gerade nicht sehr erfolgsversprechend. Entweder werden Projekte abgesagt bzw. verschoben, oder die Anfragen kommen erst gar nicht. Organisieren tue ich mich vor allem im Bereich der Kammermusik, da dies die einzige Möglichkeit scheint, kurzfristig etwas Kleines auf die Beine stellen zu können. Ich bin gerade dabei, ein neues Klaviertrio zu gründen mit einer Kollegin, die wie ich in Amerika studiert hat.

Braucht es mehr Aktionen wie #SolidarityForMusic, die auf die Bedeutung der Kultur (und insbesondere der Musik) aufmerksam machen?

Ich denke ja. Das wäre sehr unterstützend und wichtig für uns Kulturschaffende. Es scheint mir, als wäre die Dringlichkeit unserer Lage von der allgemeinen Bevölkerung und vor allem von der/den Regierung(en) (noch) nicht richtig erkannt. Dass Kultur, etwa als Musiker, ein Beruf ist und man damit seinen Lebensunterhalt verdienen kann, scheint vielen immer noch nicht klar zu sein.

Welche Rahmenbedingungen müssten geschaffen werden, damit wieder ein (sicheres) Kulturleben für Musiker und Besucher möglich ist?

Es gibt ja schon ausgeklügelte Schutzkonzepte, die die Ansteckungsgefahr auf einem Minimum reduzieren! Mir ist, ehrlich gesagt, kein Hotspot/Cluster aus einem Konzert bekannt! Perspektiven und Planungssicherheit braucht es, ohne befürchten zu müssen, dass Veranstaltungen wieder abgesagt oder verboten werden, damit man wieder mit Begeisterung neue Konzerte organisieren und durchführen kann. Im Grunde sollte alles wieder so möglich sein wie vorher. Mit den entsprechenden Schutzkonzepten sehe ich da keine grösseren Probleme!

Auf was freust du dich im kommenden Jahr?

Tja, auf ein besseres Jahr als 2020! ;)

Ansonsten: auf das LUCERNE FESTIVAL ORCHESTRA, auf viele Konzerte sowieso, auf Reisen, auf Normalität, auf Freunde und Menschen und den Austausch mit ihnen. Ich weiss, das ist träumerisch, aber ich bleibe optimistisch!

Und: auf New York! Ich warte sehnlichst, dass das Reisen ohne Einschränkungen wieder möglich ist, damit ich meine Freunde dort bald wieder besuchen kann.

Wie wird sich das erste Konzert mit dem LUCERNE FESTIVAL ORCHESTRA im Sommer 2021 anfühlen?

Himmlisch!!!!! :)

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